介于鸦与波普艺术之间的喷绘

夫劳克﹒贝克(Frauke Beeck)有她自己探索出的一种特殊的绘画形式,这种形式能上让人联想到西欧大城市里的涂鸦艺术,同时又是20世纪末波普艺术的真实再现。夫劳克﹒贝克的独特处在於把涂鸦艺术的风格转用于表现传统的绘画题材和很少用来作为绘画题材的社会题材。这种转化的成功主要借力于她对喷绘技术完美精湛的掌握。

人们通常认为涂鸦艺术是特别潦草粗糙的,是用罐漆在向街的墙面上,电话厅上,厕所墙壁上或在火车和地铁上随意喷的图画,一般由简化了或图案化了的文字和画面构成。在六十年代涂鸦文化从纽约漫延到整个西方世界。到1980年前后,涂鸦变得文雅起来,和说唱,霹雳舞一起成为时代的标志。之后涂鸦被喷在布面上并在画廊里进行商业性销售。这样一来也促进了艺术界对它的认可。涂鸦文化的代言人是1990年去世的凯特﹒海宁(Keith Haring)。今天他的涂鸦成为了不同题材和表现形式的鼻祖。在 经济地位飞速超越文化的过程中涂鸦失去了它的创造性和政治意义上的轰动力。

这一历史发展线促使夫劳克﹒贝克在过去的时间里集中对喷绘的技术进行潜心研究。她有突破性的选用有机玻璃作为绘画创作的底面材料,这与她的新的喷绘技术交相辉映。她的题材大多来自书中的图片,杂志里的照片或自己拍摄的录像中的画面。

夫劳克﹒贝克在她的作品中着重反映二十一世纪的现实社会,同时对媒体所创造出的社会图像发出置疑。她把这些以完美化,极度艺术化的方式在画面上重现出来。在这一过程中她又有意地向波普艺术方向倾斜,借助于乏味的日常事物和大众消费品作为表现对象,强调了接近现实基础的重要性。这也是她频频以照片作为图样的原因。

很多夫劳克﹒贝克的作品是体现大都市文化景象的,比如作品<<伦敦>>。这些作品都是以黑白灰作为主调,几乎可以用来作为媒体图片。这样以通俗易懂的,采用从广告,消费品中得来的新形式使得绘画作品也变得大众化了。她以精心细致的制作加上喷绘技巧给所选择的题材一种新的生命:它们虽然不是广告图片但却负有非常强的宣传性。

夫劳克﹒贝克有一组看起来象带文字说明的报纸插图的作品,这种安排是所谓的文字媒体的管用手法。而这些作品里的图片与文字事实上是并不匹配的,是处於一种互相排斥,部分甚至荒唐的关系。通过把这些图像以喷绘的形式表现,而且有意的作一些色彩改变,就提高了这些媒体照片本身的内在价值,通过这种艺术性的修改,它们被放到了一个新的影响范围里。

部分喷绘的题材来源于音乐场景。特别是音乐会中台上的演奏者和观众。如果用传统绘画来表现流行音乐会现场的气氛,给人的感觉只能是差异太大,极不协调。但用喷绘技法表现这种场景相反更加真实了。那种瞬间的强烈的经历被这样永远记载下来。

除音乐题材外夫劳克﹒贝克还经常抓住一些宁静安逸的时刻予以表现。这些画的吸引人之处在於内容的选择加上对画面完美的处理。细致读进去才能知道,这种象记忆一样的美好只能在画里存在,在现实中是找不到的。

另一个超出了美好的,几乎接近浮躁边缘的是她的动物题材:兔子,小鸟,猫,羊…这些作品能够以它的可爱触动人心灵深处,让人迷恋的原因是她精悍的对质感表现的技巧,最明显体现在对动物皮毛的处理上。与大卫﹒豪克尼(David Hockney),瑞﹒里 希特斯坦(Roy Lichtenstein)或安迪﹒瓦霍(Andy Warhol) 的波普艺术那种疏远冷漠的状态,甚至对能发现个人痕迹的笔触都进行回避相反,夫劳克﹒贝克发展出一套自己独特的并且引人入胜的表现技法。

除小型的在有机玻璃上的喷绘作品以外,她还从早期就开始策划其它形势以涂鸦为灵感来源的作品。而且长期以来她总是有一个愿望:和其他涂鸦艺术家合作一个大型的喷绘壁画。在此之前夫劳克﹒贝克也曾承担过墙面绘制的项目,但都不能与这一项目的艺术性相提并论。终於在不莱梅文化部门的支持下她得到机会与托毕亚斯﹒科律格 (Tobias Kröger)一同绘制壁画作品的机会。整个策划工作由夫劳克﹒贝克承担,托 毕亚斯﹒科律格负责添加字体涂鸦。这一计划在2005年完成的工作没能得到具体实施,但被以缩小的形势绘制在不莱梅市市画廊的墙面上,并参加了2006年以“不可忘记的时刻” 为题的艺术展。

在展览后她们得到委托把这个壁画绘制在不莱梅冉姆博耳提广场(Rembertikreisel)和海宁里希街(Heinrichstrasse)拐角处的楼面上。作为原形的小壁画被放大,如愿以偿地成为了一幅大型室外壁画。涂鸦艺术与城市的景致融形成和谐的一体。这也达到了波普艺术一向对艺术与生活紧密结合的要求。

唯布科﹒施坦迈茨博士
(Dr. Wiebke Steinmetz)

 

Spraybilder zwischen Graffiti und Pop-Art

Frauke Beeck arbeitet in einer speziell von ihr entwickelten Spraytechnik, die vordergründig an die Graffitikunst westeuropäischer Großstädte erinnert und gleichzeitig einen eigenständigen authentischen Beitrag zur Popkultur und Malerei des ausgehenden 20. Jahrhunderts darstellt. Das Besondere der Arbeitsweise von Frauke Beeck ist die Übertragung der Stilelemente der Graffitikunst auf traditionelle Themen der Malerei und auf Themen der Gesellschaft, die für Malerei wenig geeignet erscheint. Diese Transformation gelingt durch die perfekte Beherrschung einer verfeinerten Spraytechnik überzeugend.

Graffitis sind gemeinhin gekritzelte oder mit Farbsprühdosen an Hausfassaden, Telefonzellen, WC-Wänden und besonders auch an Eisenbahn- und U-Bahnzügen gesprayte Bilder, die in einer allgemeinverständlichen, reduzierten Bildsprache Text und Bild wiedergeben. In den sechziger Jahren entwickelte sich die Graffitikultur von New York ausgehend in die gesamte westliche Welt. Die Sprayarbeiten sind Botschafter einer suburbanen Jugendkultur. Um 1980 wurden Graffitis salonfähig und zusammen mit Rap und Breakdance bestimmten sie den modischen Zeitgeist. Graffitis wurden auf Leinwände gesprüht und in Galerien kommerziell angeboten. Der Aufstieg in den Kunstbereich war damit vollzogen. Die "Kultfigur" der Graffitikultur war der 1990 verstorbene amerikanische Künstler Keith Haring. Seine Graffiti sind heute ein Oberbegriff für viele thematisch und gestalterisch unterschiedliche Erscheinungsformen. Durch die zunehmende Kommerzialisierung verlor das Graffiti jedoch seine kreative und politische Sprengkraft.

Diese historische Entwicklungslinie reflektierend hat sich Frauke Beeck in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Spraytechnikverfahren auseinandergesetzt. Sie sprayt vorzugsweise auf Acrylglas "einem innovativen Bildträger, der hervorragend mit der Modernität der Spraytechnik korrespondiert. Als Motive wählt sie Bilder aus Büchern, von Fotos, aus Zeitschriften oder auch von selbst gedrehten Video-Stills.

Frauke Beeck reflektiert in ihren Bildern die Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts und gleichzeitig unterzieht sie medientechnisch geschaffene Bilder einer kritischen Befragung, indem sie die Motive in ästhetisierender und höchst artifizieller Weise in das Medium der Malerei überträgt. Dieser Prozess findet bewusst in einer an der Pop-Art orientierten Weise statt, in einer Hinwendung auf die banalen Gegenstände des Alltags und die Konsumobjekte der Massengesellschaft, die als Bildmotive in der Malerei auftauchen und somit eine elementare Realitätsannäherung bedeuten. Häufig verwendet sie Fotos als Vorlagen.

Eine Reihe von Frauke Beecks Arbeiten zeigt Bilder der Großstadtkultur in Schwarz-Weiß-Braun-Tönen, z.B. von London, die auch Medienbilder sein können. Mit eingängigen, aus Werbung und Konsum wohlvertrauten Formenvokabular erhalten die Bilder eine erstaunliche Allgemeinverständlichkeit. In kleinteiliger Feinarbeit werden die Motive auf die Bildträger übertragen und bekommen durch die Spraytechnik einen veränderten Charakter: Sie wirken plakativ, ohne jedoch die oberflächliche Gestaltung von Werbebildern zu besitzen.

In einer Serie sprayt Frauke Beeck Bilder, die wie Zeitungsbilder mit dazugehörigen Bildunterschriften erscheinen. Das Layout ist entsprechend den Print-Medien angelegt, nur gehören die Bilder und Texte ursächlich nicht zusammen. Text und Bild stehen in einem spannungsvollen, teilweise auch absurden Verhältnis. Durch die Übertragung dieser Bilder in das Medium des Spraybildes, was häufig mit bewussten Veränderungen der Farbigkeit geschieht, werden die Medienbilder eigentümlich aufgewertet, künstlerisch modifiziert und in einen neuen Wirkungszusammenhang gestellt.

Viele Motive der Spraybilder stammen aus der Musikszene. Bevorzugt sind es Musiker auf der Bühne und das Publikum während der Konzerte, das gezeigt wird. Die Schilderungen sprechen mit authentischer Wiedergabe von der besonderen Atmosphäre bei Popkonzerten, die mit der Übertragung in die traditionelle Malerei einen divergierenden Charakter und unpassende Aufwertung erfahren würden. In der Spraytechnik hingegen wirkt das Sujet authentisch umgesetzt. Das Momenthafte des intensiven Erlebens wird verifiziert.

Neben den Darstellungen aus der Musikwelt verführt Frauke Beeck den Betrachter aber auch mit idyllisch wirkenden Bildern. Die Schönheit der Bilder erschließt sich aus der Wahl der Motive und die perfekte Gestaltung der Oberfläche in Spraytechnik. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch klar, dass die Idylle nicht trägt und das Ganze nur ein (Erinnerungs)- Bild sein kann, das in der Wirklichkeit nicht existiert.

Eine ähnlich übersteigerte Lieblichkeit "und hier eindeutig formuliert bis an den Rand des Kitsches "findet sich in den Tierbildern mit Kaninchen, Küken, Katze oder Lamm. Die Süßlichkeit der Darstellung appelliert an tiefmenschliche Impulse und besticht wiederum durch die perfekte Nachahmung von Materialität, wie beispielsweise des Felles oder Gefieders der Tiere. Im Gegensatz zu den Bildern der Pop-Art von David Hockney, Roy Lichtenstein oder Andy Warhol, die in einer distanzierten, kühl berechnenden Haltung, z.B. jede die Persönlichkeit verratende Pinselspur sorgfältig vermeiden, hat Frauke Beeck eine individuelle Spraytechnik entwickelt, die einen unnachahmlichen, sinnlich berührenden Duktus besitzt.

Neben den eher kleinformatigen Spraybildern auf Acrylglas hat sich die Künstlerin in jüngster Zeit auf ein Projekt konzentriert, das auf die Wurzeln der Graffitikunst verweist. Schon lange hegte sie den Wunsch, zusammen mit einem Graffitisprayer ein Bild für eine große Wand zu gestalten. Bereits vorher hat Frauke Beeck Wandgestaltungen übernommen, jedoch nicht mit dem künstlerischen Anspruch dieser Projektarbeit. Im Rahmen der Projektförderung des Senators für Kultur in Bremen sollte das Wandbild zusammen mit dem Sprayer Tobias Kröger ausgeführt werden, wobei die gestalterische Arbeit in den Händen von Frauke Beeck und die schriftartigen Graffitis von Tobias Kröger hinzugefügt wurden. Das für 2005 geplante Projekt konnte in dem Jahr nicht realisiert werden, vorgestellt wurde es jedoch in einer verkleinerten Version auf einer Wand in der Städtischen Galerie im Buntentor in Bremen im Zusammenhang mit der Ausstellung Unvergeßliche Momente (2006).

Auf das Wandbild in der Galerie folgte die Ausführung als Auftragsarbeit auf eine Häuserwand am Bremer Rembertikreisel / Heinrichstraße. Das intime, kleinformatige Spraybild, das als Vorlage für das Wandbild gedient hatte, emanzipiert sich zum öffentlich sichtbaren Großbild, das sich zusammen mit den Graffitikritzeleien harmonisch in das Stadtbild einzufügen scheint. Die Forderung der Pop-Art nach der Verbindung von Kunst und Leben wird erfüllt.

Dr. Wiebke Steinmetz